Clair De Lune

Unter dem Titel „Concerto Luna“ findet im Rathaus Marburg am 3. Februar um 18.00 Uhr ein Konzert mit mehreren Uraufführungen von Roswitha Aulenkamp und Jean Kleeb zum Thema „Mond“ statt. Inspiriert wurden die Komponisten und Ausführenden durch berühmte Gedichte von Goethe, Heine, Trakl, Dauthendey, Rilke und modernen Autoren wie Ludwig Legge und Wilhelm Ziehr.

Außerdem spielt Roswitha Aulenkamp Werke von Debussy, Beethoven, Mendelssohn, Aulenkamp und Jean Kleeb spielt Kompositionen von Schubert, Wolf, Poulenc, Schönberg, Kleeb.

Der Mond hat die Dichter und Komponisten seit jeher inspiriert und zu einigen großartigen Schöpfungen angeregt, die Sie bei dieser Veranstaltung hören werden. Auch heute, wo der Mond alle Geheimnisse verloren hat, ist er immer noch eine Inspirationsquelle. Gemeinsam mit dem Kulturamt der Stadt Marburg setzt die Neue Literarische Gesellschaft ihr Programm „Lieblingsgedichte“ mit diesem Konzert fort.

Roswitha Aulenkamp, Komposition, Klavier
Jean Kleeb, Komposition, Klavier
Nadine Balbeisi, Gesang
Theodor Hoffmeyer, Rezitation

Schirmfrau: Dr. Kerstin Weinbach, Kulturdezernentin

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Engelwärts in den Sudan

„Engelwärts in den Sudan“ lautete das Motto des Konzerts von Roswitha Aulenkamp
(Klavier) und Theodor Hoffmeyer (Bariton) anlässlich des vierten Sudantages der
Initiative Sudan am 13. Oktober 2012 in der Zisterzienserabtei Himmerod bei
Großlittgen in der Eifel.

Seit 1998 unterstützt die Initiative Sudan als gemeinnütziger Verein Jugendliche,
Schulen und Gemeinden im südlichen Sudan, alle zwei Jahre informieren die
Sudantage über die Projekte in dem zentralafrikanischen Land. Dabei erwarten die
Gäste jedes Mal auch vielfältige künstlerische Darbietungen auf hohem Niveau.
Roswitha Aulenkamp und Theodor Hoffmeyer sind längst eine feste Größe im
Programm der Sudantage geworden – und auch treue Weggefährten der Initiative
Sudan, die ihnen dafür herzlich dankt!

Zu einer Reise engelwärts in den Sudan luden die Pianistin und der Sänger ihr
Publikum diesmal also ein. Was bedeutet das: engelwärts? Das wir von einem der
reichsten Länder der Welt aufbrechen müssen zu einem ihrer ärmsten, wenn wir zu
den Engeln gelangen wollen? Das Erlösung demnach für uns nur möglich ist durch
Hinwendung zu den Schwächsten, die immer auch unsere Schwestern und Brüder
sind? Das Spiritualität nur wahrhaftig sein kann, wenn sie im Einklang mit gelebter
Solidarität erfahren wird?

All das kann dieses engelwärts uns sagen. Ist das ein Zuviel an Interpretation? Nein,
wie die Auswahl der klassischen Werke und der sinnhafte Zusammenhang, in dem
Frau Aulenkamp und Herr Hoffmeyer sie interpretierten, beweist. „Biblische Lieder“
von Antonín Dvořák (1841-1904) und Claude Debussys (1862-1918) „Clair de Lune“ haben sehr viel mit den Menschen im Sudan zu tun. Wir müssen nur lernen, auch mit dem Herzen hören.

In seinen „amerikanischen Jahren“, als der große Komponist Antonín Dvořák  vom Herbst 1892 bis zum Frühjahr 1895 dem National-Konservatorium für Musik in New York als Direktor vorstand, schuf der gebürtige Tscheche neben anderen Werken den Zyklus „Biblische Lieder“.  Es handelt sich hierbei um 10 Gesänge für eine Solostimme mit Klavierbegleitung, die sämtlich auf Texten des alttestamentlichen Buchs der Psalmen in der tschechischen Übersetzung der Kralitzer Bibel beruhen.

Im New York des ausgehenden 19. Jahrhunderts, dem werdenden melting pot und der aufstrebenden Weltmetropole, ausgerechnet dort fand Dvořák zu einer seiner
eindringlichsten und ergreifendsten musikalischen Schöpfungen. Es waren die
Nachrichten vom Tode der großen Kollegen wie Konkurrenten Pjotr Iljitsch Tschaikowski
und Charles Gounods sowie seines Förderers, des Dirigenten Hans Bülow, die den
Blick des Tschechen nach innen wenden ließen – auf die Menschenseele mit ihren
Regungen zwischen Hoffen und Bangen, Glück und Verzweiflung.

In den biblischen Psalmen fand Dvořák die Facetten all dieser Empfindungen wieder,
Rufe zu Gott in extremen Situationen des Menschseins. Und so wählte der Komponist
mit Bedacht die Psalmen aus, die er für seinen Liederzyklus vertonen wollte; ein
Spektrum der Höhen und Tiefen der menschlichen Existenz. Fast unverändert
übernahm Dvořák die Psalmentexte; um sich ganz auf sie zu konzentrieren, ordnete er
die Komposition vollkommen den Worten unter, unterstrich und betonte diese nur
und erreichte durch diese radikale Reduktion eine intensive sublime Reinheit, die
den, der zu hören vermag, im Herzen berührt.

Und weil der große Tscheche der gesamten Empfindungswelt des Menschen
Ausdruck verleiht, spricht er nicht nur von sich, seinem singulären „Freud oder Leid“,
sondern vom Menschen schlechthin, von uns allen und unser aller Hoffnungs- und
Erlösungsstreben, in aller Welt und zu allen Zeiten – und ist plötzlich auch den
Menschen im Sudan ganz nah.

Das die Besucherinnen und Besucher des Sudantages diese Empfindungen teilen
konnten, das war das Verdienst von Roswitha Aulenkamp und Theodor Hoffmeyer,
die ihr Publikum stimmlich wie instrumental bewegten und begeisterten.

Vor eine besondere Herausforderung sah Herr Hoffmeyer sich gestellt. Ursprünglich
wollte er die Liedtexte aus dem tschechischen Original ins Deutsche übertragen,
doch wurde ihm bald nur zu bewusst, wie unauflöslich die Komposition an die
Musikalität der tschechischen Sprache gebunden ist. Eine Translation wäre eine
Verfälschung, eine Verletzung der Einheit von Musik und Wort gewesen. So eignete
sich der Bariton die tschechischen Liedtexte an und blieb dem Werke Dvořáks treu.
Das Publikum konnte auf Textblättern mit dem deutschen Übersetzungsansatz Herrn
Hoffmeyers dem Vortrag folgen – und ließ sich von den „Biblischen Liedern“ mit auf
die Reise engelwärts nehmen.

Nicht alle Gäste des Konzerts waren mit klassischer Musik vertraut, doch alle
Zuhörer haben sich sich berühren lassen. Warum? Antonín Dvořák hatte in die Seele
des Menschen geblickt und hat uns in den „Biblischen Liedern“ zeitlos viel darüber
zu sagen. Deshalb müssen wir nicht alle und immer klassische Musik verstehen,
manchmal reicht es aus, dass sie uns versteht.

Diese Erfahrung haben Roswitha Aulenkamp und Theodor Hoffmeyer den
Besucherinnen und Besuchern ihres Konzerts geschenkt.

Doch noch waren die beiden Künstler mit ihrem Publikum nicht am Ende der Reise
engelwärts in den Sudan angekommen. Frau Aulenkamp gedachte eines ständigen
Begleiters eines jeden Reisenden – dem Mond. Und sie widmete einen ganz
besonderen musikalischen Beitrag Pater Stephan Reimund Senge, der, beeindruckt
von einem Aufenthalt im südlichen Sudan im Jahre 1997 die Initiative Sudan
gegründet hatte.

Seit damals reist Pater Stephan jedes Jahr in den Sudan, besucht die unterstützten
Projekte und Menschen, die ihm längst keine Fremden mehr sind. In seinen
Gedichten und Prosatexten, die vom Leben in unserem Land, vom Leben im Sudan,
immer aber von Menschen auf der einen Erde handeln, spricht er immer wieder auch
vom Mond. Der eine Mond, der uns allen scheint, in der Eifel wie in den Nubabergen,
dessen Licht uns aber überall anders anmutet.

„Claire de Lune“ – der Schein des Mondes – heißt eines der berühmtesten Werke
des französischen Komponisten Claude Debussy. Es ist der dritte und
wohl bekannteste Satz der „Suite bergamesque“, eines Klaviersolos aus dem Jahre
1890, das erst 1905 aufgeführt wurde. Roswitha Aulenkamp überraschte mit einer
eigenwilligen, ja mitreißenden Interpretation dieses unbestrittenen Klassikers.

Frau Aulenkamp ließ den Mond für ihr Publikum und für Pater Stephan an jenem
Konzerttag erstrahlen. Wie aber der Glanz des Mondes in jedem Winkel der Welt auf
andere Art seine Pracht entfaltet, so folgte die Pianistin Debussys Werk wie einem
Leitmotiv, das sie in freier, zuweilen gewagter Deutung variierte, um doch immer
wieder zum Hauptthema zurückzukehren.

„Clair de Lune“ schimmerte auch bei geöffnetem Flügel und „handgespielten“
Klavierseiten; leuchtete, wenn die Klänge an Gershwin oder der Sound an Hendrix
erinnerte; funkelte, wenn die Pianistin trommelnd auch die hölzernen Teile des
Instruments ihren Part in der Symphonie spielen ließ.

Und dennoch blieb Einheit in aller Vielfalt, wenn schließlich „Clair de Lune“ auf
vertraute Weise ausklang, so wie der Mond verlässlich seine Bahn am Firmament
zog, zieht und ziehen wird – über der Eifel und über dem Sudan.

Roswitha Aulenkamp und Theodor Hoffmeyer sind mit ihrem Publikum engelwärts
in den Sudan gereist. Angekommen sind sie noch nicht, dafür hat der Mensch noch
einen weiten Weg vor sich. Aber der Weg ist ja das Ziel! Und auf diesem Weg freut
sich die Initiative Sudan auf die kommenden Konzerte der beiden Künstler.

Peter Führer

Arche Noah landet in Berlin Mitte – Rechtzeitig Plätze sichern

So lautete die Einladung zum Konzert am Samstag den 03. Juni in die Moabiter Heilandskirche. Die “Arche Noah” wurde  2008 von der Pianistin und Musikdozentin Roswitha Aulenkamp komponiert.
Es handelt sich um ein szenisches Musikstück und wurde seitdem mehrmals im Kasseler Raum aufgeführt. Anfang Juni war es zum ersten Mal in Berlin zu hören und zu sehen.
Der Inhalt wurde für die  Uraufführung in der Kirche von Ziegenhain bei Schwalmstadt  so zusammengefasst:
“Eine gewaltige Umweltkatastrophe bedroht die Menschen von Ziegenhain und sie starten in der „Arche Noah“ in die Zukunft. Sie verfassen „Botschaften an die Zukunft“, Zeugnisse ihres persönlichen Gewordenseins, Schriftstücke und Dokumente ihrer Stadt, ihrer Produktionsstätte und ihres Lebensraums. In einer feierlichen Zeremonie wird die Arche, tief in der Erde zum „Ort ihres stehenden Bewegtseins“ gebracht. Die Arche startet in eine zukünftige Welt. Dort wird sie in fernen Zeiten wieder auftauchen und Zeugnis von der Gegenwart der Menschen der Stadt Ziegenhain ablegen.”
Roswitha Aulenkamp hat die zweiteilige Komposition nach dem Buch „Die Bleiarche“ des Homberger Autors Hans-Joachim Bauer komponiert. Texte aus dem Alten Testament und der „Sonnengesang“ des Hl. Franziskus sind ineinander verwoben. Die Partitur ist auf zwei großen Holzpyramiden visualisiert. Sie  und deuten im Gegenüber betrachtet Bug und Heck der Arche an.  Zur modernen Musik wird den ZuhöreInnen ein optisches Erlebnis geboten.

Pyramiden in Berlin MitteDarüber hinaus symbolisieren die Pyramiden das Bleibende und Dauernde, wie es uns die ägyptischen Pyramiden vor Augen führen, die ein lebendiges Zeugnis einer großen fernen Epoche ablegen: Lebendiges Zeugnis an die Zukunft…! Diese Bedeutung verstärkt das Stück dadurch, dass der Schlagzeuger die Hälfte des Konzerts – für das Publikum unsichtbar – in einer der Pyramiden spielt und die Töne und Schläge aus den Tiefen der Erde aufzusteigen scheinen.

Die Vorbereitung des Konzertes in Berlin erforderten einigen Aufwand und Idealismus.
Die Musiker mussten in Berlin gefunden werden und konnten erst einen Tag vor der Aufführung mit Roswitha Aulenkamp, der Komponistin und Pianistin, proben. Gewonnen wurden:

  • Susanne Köhler (Instrumentalpädagogin),  Querflöte
  • Frank Fiedler,  Schlagzeug
  • Theodor Hoffmeyer (Opernsänger),  Stimme
  • Michael Reichert (Kirchenmusiker), Orgel, Sprecher
  • Michael Rannenberg (Pfarrer  i.R.)

Die schwere großen Holzteile der Pyramiden mussten von Schwalmstadt per Kleinlaster nach Berlin befördert werden. Und dann war innerhalb kurzer Zeit die ganze Kirche umzubauen und die Pyramiden zusammenzubauen. Die Aufführung fand in der Mitte der Kirche statt, das Publikum war seitlich rechts und links der Pyramiden auf gekrümmten Reihen platziert.

Schon diese Anordnung in der hohen und weiten Halle einer über hundertjährigen neogotischen Großkirche und die besondere Beleuchtung war recht eindrucksvoll.
Im Zentrum der Musik stehen die Wellen der Sintflut, die die Menschheit bedrohen.
Frau Aulenkamp ist es gelungen, das Anschwellen und wieder Zurückgehen und abermalige heftigere Anschwellen der Fluten in faszinierender musikalischer Steigerung zu Gehör zu bringen: Der Schlagzeuger in der Pyramide lässt die Erde erzittern, das Klavier wird zum stöhnenden, panischen, wilden Tier, die kleine Querflöte schraubt sich  in durchdringende, schrille, sturmpfeifende Höhen hinauf und die Orgel  braust chaotisch über und unter und mitten hinein und lässt haushohe Wellenberge sichtbar durch die Kirche branden.
Später verkündet jedes Instrument in Solopartien eine eigene musikalische Botschaft.
Stimmen von Menschen sind zu hören, die sich in Panik auf die Arche gerettet haben und die Absurdität zum Ausdruck bringen, was Menschen in Todesangst zu retten versuchen: Computer, Bankkonten, Goldbarren, Orden, Zigaretten, Memoiren, Rosenkränze, Horoskope, Ipods, …
Gottes Vernichtungsbeschluss wird  von Theo Hoffmeyer als befremdende Litanei gesungen und wirkt von der Orgelempore deklamert  besonders eindrucksvoll.
Am Ende wird das Stück leise und schließt eindrücklich mit dem abwechselnd gesprochenen Versen des Sonnengesanges von Franz v. Assisi: “Selig sind die ausharren im Frieden…”
Die uralte in vorbiblischer Zeit schon im ganzen Vorderen Orient verbreitete Sintflutgeschichte trifft eine verblüffende prophetische Aussage: Bedrohung und Auslöschung der Schöpfung sind nicht Sache Gottes, sondern der Mensch ist der schlimmste Feind des Menschen, seine Gier und  Bosheit liefert die tiefste Ursache für nahezu jede Erdzerstörung.
Diese uralte Menschheitswarnung  bewahrheitet sich heute fürchterlich: Eine Person vermag durch Knopfdruck diese ganze Erde in die atomare Katastrophe zu stürzen, in deren Verlauf unaufhaltsame nukleare Vernichtungswellen   alles Lebendige und Natürliche verbrennen, ertränken und in tödlich strahlenden Staub umwandeln. Diese schreckliche Möglichkeiten hat es so bisher noch nie auf Erden gegeben.
Daher ist die Sintflutgeschichte ein zeitloses Gleichnis und  ein Ur- und Schlüsseltext unseres Selbstverständnisses als Menschen. Kein Wunder, dass diese Geschichte im Glaubenshorizont dreier Weltrelis ihren festen Platz hat, bei den Juden, den Christen und den Moslems.

Roswitha Aulenkamp ist es gelungen unsere Menschheitsangst, vor sich selbst – aber auch unsere Begabung der Hoffnung –  musikalisch dramatisch in Musik umzusetzen und über die Pyramiden anschaulich zu machen. Ihre faszinierende Komposition hat mir wiederum die Augen für eine ganz spezielle einmalige Eigentümlichkeit von uns Menschen geöffnet:
In uns steckt der Widerspruch, dass wir einerseits Lust, ja  sogar Gier nach Katastrophen empfinden  –   und deswegen existiert auf der Welt eine riesige Katastrophenunterhaltungsindustrie.  Andererseits fürchten wir nichts mehr als  reale Erdbeben, Tsunamis  und das das atomare Inferno.
Der  Berliner Aufführungstitel: “Arche Noah landet in Berlin” ist nicht nur ein Wortspiel, sondern die Musikkomposition von Roswitha Aulenkamp zieht uns hinein in die Mitverantwortung der gegenwärtigen Bedrohung unseres Planeten und regt uns an, jetzt und heute in unserem Dasein und Zusammenleben eine Arche zu finden und zu beziehen, die uns Schutz und Hoffnung und Stärke bietet, die uns antreibt, alles in unseren Kräften Stehende zu wagen, dass Gottes Verheißung am Ende der biblischen Sintflutgeschichte weiter Bestand hat:
Solange die Erde noch steht sollen nicht aufhören Saat u. Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.
Die dramatische Musik der Komposition “Arche Noah” stößt unser Denken und Tun an, dass diese Erde mit unseren Kindern und Kindeskindern die Chance  zu bleiben behält und auch in Zukunft einen Sonnengesang des Franziskus dankbar und begeistert zu beten und zu singen.
Michael Rannenberg ( Pfarrer i.R.)